Wenn Faggin recht hat (und Leibniz unterstützt das metaphysisch), dann ist vollständiges Bewusstsein unmöglich.
Eine Monade bei Leibniz enthält potentiell alles, aktualisiert aber nie alles.
Das kann bedeuten…
Betroffene können nie vollständig bewusst sein.
Angewendet auf "Informed Consent"
Das klassische Konzept basiert dieser Logik nach auf einer Illusion: "Wenn ich genug Information habe, kann ich bewusst entscheiden." - Wenn aber Bewusstsein selbst nicht komplett sein kann (weil es unendliche Implikationen gibt - Bsp.: Zeitungsartikel), dann ist echtes "informed consent" logisch unmöglich.
Sie stimmen immer unter partieller Ignoranz zu.
Das macht das klassische Verständnis von Verantwortung paradox, weil es von vollständig bewussten Entscheidungen ausgeht.
Zuerst wird gefragt, wie ein echtes Urteilsvermögen geschaffen werden kann, aber es geht nicht um “mehr Information”, sondern um zu akzeptieren, dass immer unter Unwissenheit gehandelt wird und dies passieren muss.
Leider ist das nicht liberal, sondern schlecht.
Intellektuell erkennen wir an, dass jede Entscheidung Konsequenzen hat, die dazu führen, dass strukturelle Probleme und Machtausübung in individuelle „Störungen“ übersetzt werden, und therapeutische/diagnostische Instrumente dafür benutzt werden eine Verschiebung zu stabilisieren und finanziell zu legitimieren.
Eine Problemverschiebung, wo der Ausgangspunkt zumeist Mobbing, Druck, schlechte Strukturen, oder eine Mischung daraus ist.
Statt die Strukturen zu analysieren, oder die Diskriminierung zu unterlassen wird eine einzelne Person als „belastet“, „instabil“ oder „behandlungsbedürftig“ definiert oder vielleicht sogar, wie eben als Problem benannt. Es entsteht eine Instrumentalisierung von Therapie/Diagnose.
Psychotherapie und ICD-Diagnosen dienen dann nicht nur der Unterstützung, sondern auch als Nachweis von „Bedarf“ (Fallzahlen), als Legitimation von Budgets und Programmen, als positives Image („wir kümmern uns“).

Nach Principles of Biomedical Ethics, T.L. Beauchamp, J.F. Childress, 8. Edt., Oxford Press, 2019 in https://doi.org/10.1007/978-3-658-27696-6, Grundlagentexte zur Angewandten Ethik, Reihe herausgegeben von Francis Chevenal, Zürich, Schweiz, Ivo Wallimann-Helmer, Fribourg, Schweiz, Nikola Biller-Andorno et. al.
Ich spreche hier von psychotherapeutischen „MASSNAHMEN“, wobei die Verletzlichkeit einer Person instrumentalisiert wird, in manchen Situationen sogar die Verletztheit.
Mit Verletztheit meine ich aber Knochenbrüche, Erkrankungen des Immunsystems oder Organschäden.
Bei einer informierten Zustimmung ergibt sich das Risiko der eingeschränkten Autonomie der betroffenen Person. Eine Zustimmung zur Therapie entsteht daher häufig unter sozialem/beruflichem Druck („sonst Nachteile“). Die Eigenwahrnehmung wird durch Fremddeutungen überlagert; Widerspruch ist faktisch riskant.
Die Verschleierung von Verantwortung ist real. Verantwortliche Akteure und Institutionen können sagen: „Wir haben geholfen“, während die Ursachen (Machtpraktiken, Strukturen) nicht bearbeitet werden und diesen Praktiken wird durch den „Informed Consent“ indirekt, manchmal sogar unbewusst zugestimmt.